Ein Zeichen setzen

Johannes Konradt ist das Itzehoer Eigengewächs. Der 22-jährige gebürtige Hamburger ist in Itzehoe aufgewachsen, verbrachte den Sommer mit Urlaub, individuellem Training und genoss die basketballfreie Zeit. Nachdem er bei den Piraten Hamburg in der NBBL immer mehr Einsatzzeit bekam, wurde ihm klar, dass er höherklassig Basketball spielen könnte. Der aggressive Defense-Spezialist versucht mit seiner Art, das Team nach vorne zu peitschen. Da es viele gute Spieler gibt, hat er kein bestimmtes Idol, dafür aber mit Heino Werner zwei weitere Vornamen, was kaum jemand weiß. Sportlich sowie auch beruflich möchte er an seine Grenzen gehen, alt und glücklich werden. Dem Publikum in Itzehoe spricht er ein riesengroßes Dankeschön aus für den jahrelangen Support.

 

Johannes, was war in den letzten fünf Minuten in Rostock los?

Sowas habe ich persönlich auch noch nicht erlebt. Wir haben bis dahin ein vernünftiges Spiel mit Höhen und Tiefen abgeliefert und uns dann mit individuellen Fehlern komplett aus dem Konzept bringen lassen. Wir haben aufgehört zu rebounden und nicht mehr so gut verteidigt wie über weite Phasen des Spiels. So richtig erklären kann ich es mir aber nicht, denn mit dem Pressing, das Rostock gespielt hat, sind wir ansonsten gut zurecht gekommen.


Nun sind Spiele in Rostock immer etwas Besonderes. Welchen Faktor spielt da die Kulisse von fast 3000 Zuschauern?

Im Normalfall treibt es einen an. Mich persönlich hat es nach vorne getrieben, denn es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn du einen Dreier triffst oder zurückkommst, die Führung eroberst, und die Halle ist ruhig. Aber es ist auch unheimlich schwierig, wenn die Heimmannschaft mit der Unterstützung des Publikums einen Lauf hat, da dann gegenzuhalten.


Wirft euch so eine Niederlage nach den zwei überzeugenden Siegen gegen Wedel und Essen wieder zurück?

Jetzt ist es extrem wichtig, an dem Fortschritt, den wir in den letzten drei Spielen gezeigt haben, auch in weiten Teilen in Rostock, festzuhalten. Wir werden die positiven Dinge aufnehmen und gewiss nicht den Kopf in den Sand stecken wegen fünf schlechter Minuten in Rostock.


Die Hinrunde ist rum. Ihr habt vier Siege und sieben Niederlagen auf dem Konto. Wie fällt dein Fazit aus?

Ganz klar hinter den Erwartungen. Wir sind sehr schleppend in die Saison gestartet und haben lange gebraucht, uns zu finden. Es war eben schwierig, da einige Spieler erst spät in der Vorbereitung dazu gestoßen sind oder sich verletzt hatten. Aber wir sind auf einem guten Weg. Es ist an der Zeit, nach vorne zu blicken, um ganz klar das Ziel Play-Offs zu erreichen und nicht erst im letzten Spiel. Denn das will keiner von uns noch einmal erleben.


Du bist seit Anfang an für die Eagles in der 2. Basketball-Bundesliga ProB aktiv. Bist du mit deiner Entwicklung zufrieden?

Wenn du als Sportler zufrieden bist, hast du meiner Meinung nach was falsch gemacht. Ich glaube, ich habe mich über die Jahre gut weiterentwickelt. Die Defense war lange Zeit mein Manko. Dass ich mittlerweile so stark verteidige, verdanke ich Pat mit seinem Umfeld und der Rolle, die er mir gegeben hat. Ich freue mich, dem Team von Saison zu Saison mehr geben zu können. Natürlich geht da noch sehr viel mehr, das erwarte ich auch von mir in der Rückrunde.


Deine Statistikwerte gehen auf jeden Fall nach oben. Mehr Einsatzzeit, mittlerweile 28 Minuten können sich sehen lassen. Du erzielst im Schnitt fast zehn Punkte und holst drei Rebounds. Wo siehst du noch Potenzial?

Ich sehe auf jeden Fall noch Pozential bei den Rebounds. In Bezug auf Größe und Einsatzbereitschaft ist da noch mehr drin. Zehn Punkte und fünf Rebounds sind mein Ziel. Mit meiner Dreierquote bin ich generell zufrieden, aber bei einfachen Punkten arbeite ich daran, noch treffsicherer zu werden.


Wie gut lassen sich für dich Ausbildung und Training in einer ProB-Mannschaft vereinbaren?

Es ist eine anstrengende Geschichte. Man verzichtet auf eine Menge Freizeit, aber diese möchte ich im Moment auch gar nicht anders nutzen, als Sport zu machen oder mich beruflich weiterzuentwickeln. Ich kann es nur jedem jungen Spieler ans Herz legen, wenn man ProB spielt, nebenbei noch eine Ausbildung oder ein Studium zu machen. Denn der Support und die Anerkennung, die man bekommt, sind es wert, so viel Energie da reinzustecken.


Am Wochenende kommt Wedel zum zweiten Derby innerhalb von drei Wochen zu Lehmwohld. Trotz des Sieges in Wedel habt ihr immer noch eine Rechnung offen, oder?

Das letzte Spiel gegen Wedel, das wir zu Hause bestritten haben, werde ich so schnell nicht vergessen (Anmerkung: Die Eagles verpassten mit einer knappen Niederlage die Playoffs in der Saison 2016/17). Es gab wenig Spiele, in die ich motivierter gegangen bin. Dementsprechend hat es gerade jetzt den Charakter, vor heimischer Kulisse allen zu zeigen, wer die Nummer 1 im Norden ist. Den ersten Schritt dazu haben wir schon in Wedel getan, das gilt es jetzt zu unterstreichen.

Denkst du in der Vorbereitung auf diese Spiele noch an das Spiel Ende Februar zurück?

Nein, denn es sind zwei komplett verschiedene Mannschaften. Es ist jetzt wichtig, dass wir zu Beginn der Rückrunde ein Ausrufezeichen setzen, um allen zeigen, dass mit uns jederzeit zu rechnen ist.

Noch ein Wort an die Fans!

Ein riesengroßes Dankeschön. Es ist für mich alle 14 Tage ein unglaubliches Glücksgefühl, wenn ich am Samstagabend aufs Spielfeld laufe und die Fans mir zujubeln. Es fühlt sich wie Zuhause an und ist auch mein Zuhause. Ich bin unheimlich, dankbar diesen Rückhalt zu spüren. Nicht nur daheim, sondern auch auswärts. Wenn bei uns manchmal Gästefans begrüßt werden, ist es sehr leise. Das konnte ich diese Saison bei unseren Auswärtsspielen nicht feststellen und möchte mal hervorheben, dass es nicht selbstverständlich ist, in so einer Liga immer eigene Fans beim Auswärtsspiel zu sehen, die einen anfeuern, egal, wo es auch hingeht. Für diese Unterstützung bin sehr ich dankbar.

Vielen Dank, Johannes, und viel Erfolg nächstes Wochenende!

Let's fly, Eagles!!

Interview: Michael Bansemer

 

Saisonstatistik Johannes Konradt 2016/17

 

Position Shooting Guard

Spiele 27

Einsatzzeit 17,17 Min

2 Pkt 33/71 46,5%

3 Pkt 24/67 35,8%

Pkt gesamt 138

Assists 16

Rebounds 25

Fouls 68

Blocks 1

Steals 18

Turnovers 36